Dieser Bericht beginnt mit einem allgemeinen Teil, der in thematischer Gliederung einige Erfahrungen des individuellen Reisens in Russland zusammenfaßt (Autor: C.Rogger). Den zweiten Teil bildet das Reisetagebuch (Autor: M.Küpper).

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Ein Land des Lächelns?

Natascha, Bob und Ted:
"Wo ein Gruß ist, wird ein Lächeln die Antwort sein"

Auf einer Straße in Moskau wurde uns eine Broschüre in die Hand gedrückt, die jedoch an die Einheimischen adressiert war. Diese werden darin dazu angeregt, den ausländischen Touristen gegenüber eine freundlichere Haltung an den Tag zu legen. Die Propaganda für Völkerverbundenheit hat im Lande ja Tradition, und auch die Bildchen in der Broschüre könnten aus sowjetischen Kinderbüchern entnommen sein. Die Begründung hat sich jedoch gewandelt: Während man mit ausländerfreundlichen Gesten früher für den Weltfrieden werben sollte, ist es heute das gute Geld, das die Ausländer ins Land bringen, wofür man ihnen doch öfter ein Lächeln schenken solle...

Ob die Kampangne spürbare Ergebnisse zeitigen wird, mag bezweifelt werden. Schließlich ist das Lächeln auch im Umgang einander unbekannter Russen eine absolut unübliche Mimik - wieso es sich also extra gegenüber Ausländern zulegen? Und um denen ihr Geld abzuknöpfen, ist es schon gleich gar nicht erforderlich. Das geht viel einfacher, und zwar wie bei uns: einfach sagen, was es kostet!

Iwan und Sepp:
"Bei uns im alten Russland wird dem Gast zuerst serviert"

Aber vielleicht steht das Bild ja für etwas Anderes, was dem Ausländer in Russland in der Tat einige Schwierigkeiten bereiten mag: Zwar ist man in der Regel keiner Abneigung ausgesetzt, jedoch scheinen Rücksichtnahme und Entgegenkommen im Land generell nicht sehr stark ausgeprägte Sozialtugenden zu sein. Da muß man schon selbst zusehen, wo man bleibt (bzw. hinkommt) - nicht immer einfach für Leute, die sich mit den Gepflogenheiten und Regularien nicht auskennen. Und diese erschliessen sich mitunter nicht auf den ersten Blick - sei es, welcher Fahrkartenschalter für das eigene Fahrziel und die eigene Fahrscheinklasse zuständig ist, ob man in diesem Geschäft vorher oder nachher zu bezahlen hat, oder: muß man in diesem Cafe das Essen vorher bezahlen und selbst abzuholen - oder nur das eine oder das andere, oder gar keines von beidem?

Gewisse eigene Orientierungsbemühungen vorausgesetzt, begegnete man uns im Allgemeinen korrekt und ohne uns besonders zu behelligen - weder im negativen noch im positiven Sinn. Nur in drei Fällen kam es zu nachhaltigen Bemühungen, mit uns Ausländern in ein eingehenderes "persönliches" Gespräch zu kommen. In allen Fällen waren unsere kontaktfreudigen Gegenüber allerdings bereits stark angetrunken.

Insgesamt betrachtet, bieten die Begegnungen mit den russischen Menschen keinen Grund, der gegen eine Reise in dieses Land spricht. Einen dafür allerdings auch nicht. Da muß man schon andere Gründe haben,die einem die kleine Mühe wert sind.
 

Reisevorbereitung

Eine Russland-Reise beginnt lange vor Fahrtantritt - wer schon die Reisevorbereitung als Teil der ganzen Unternehmung zu schätzen weiß, kommt hier voll auf seine Kosten. Dafür sorgen zunächst die Visa-Prozeduren, die dieses Land besonders aufwändig gestaltet. Wenn man alle erforderlichen Unterlagen beisammen hat - incl. "Einladungsschreiben" von einer hierzu autorisierten Stelle im Lande und Nachweis einer vom Gastland "anerkannten" Auslandsreise-Krankenversicherung -, stehen noch mindestens drei Besuche beim Russischen Konsulat an: zum Abgeben des Antrags, zum Nachreichen des Einzahlungsbelegs für die Visa-Gebühren (Barzahlung nicht möglich) und zum Abholen des Visums. Allemal hat man Gelegenheit, schon eine Brise russischer Atmosphäre zu schnuppern: beim aktiven Schlangestehen inmitten der munteren Menge russischer Bürger, die ihr Konsulat wegen diverser administrativer Belange belagern.

Offizielle "Einladung"

Des weiteren sollten zumindest die wichtigsten Unterkünfte vorausgebucht werden. Für Moskau ist das über Hotelagenturen im Internet möglich, nicht jedoch für Hotels in der Provinz, wo zudem das Angebot akzeptabler Unterkünfte mancherorts knapp ist. Das bietet Gelegenheit, schon mal den Kontakt zu seinen zukünftigen Gastgebern zu erproben: e-mail Adressen und Faxnummern, soweit überhaupt vorhanden, erweisen sich nur in Ausnahmefällen als operabel, so dass im Normalfall nur der Griff zum Telefon bleibt. Eine praxisgerechte Bewährungprobe für die eigenen Russischkenntnisse, denn die Rezeptionistin ("Administrator") hat in der Regel keine andere Sprache im Repertoire und ist auch dementsprechend überrascht, überhaupt einen Anruf aus dem Ausland zu erhalten.

Eine Russland-Reise beginnt also in Wirklichkeit schon lange vor den ersten Reiseplanungen: frühzeitig Russisch lernen, am besten schon in der Jugend.
 

 

 

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