Verständigung

Ist es schon außerhalb der ausgewiesenen Touristen-Spots Moskaus nicht einfach, ohne Russischkenntnisse zurechtzukommen, so dürfte es in der Provinz schier unmöglich sein - zumindest wenn man die Resultate selbst bestimmen und nicht dem Zufall überlassen will. Die Quartierfrage sollte noch lösbar sein: Obwohl wir, außer in Moskau, nur in einem Fall eine englischkundige Rezeptionistin antrafen, ist noch recht eindeutig, was jemand sucht, der ein Hotel betritt. Die Wahl auf einer russischen Speisekarte - und nur in sehr seltenen Ausnahmefällen gibt es andere als diese - dürfte dagegen nur im äußersten Zufall dem eigenen Appetit gerecht werden, und auch die Fortbewegung wird manche ungeplante Wegstrecken und Verweilzeiten produzieren.

Immer interessante Begegnungen

Es gehört also schon ein gehöriges Maß an Freude an Unerwartetem - oder Fatalismus - dazu, dieses Abenteuer dennoch einzugehen. In Suzdal trafen wir zwei jungen Koreanerinnen, die diese Voraussetzungen zu erfüllen schienen. Sie erzählten uns strahlend, es habe sie fünf Stunden gekostet, am Bahnhof in Moskau eine Fahrkarte nach St.Petersburg zu erwerben. Ansonsten haben wir außerhalb der meistbesuchten Orte Sergiev Posad und Suzdal niemals Ausländer gesehen, die ohne russische Betreuung unterwegs waren.

Als absolutes Minimum ist dringend zu raten, sich das russische Alphabet anzueignen, was gar nicht so schwierig ist.Damit kann man dann immerhin Orts- und Straßennamen lesen und mit etwas Übung einen Fahrplan entziffern, und erspart sich dadurch schon einige mündliche Bemühungen. Und auch auf einer Speisekarte finden sich einige Bezeichnungen, die man so ähnlich schon mal gehört hat. Man müßte dann nichtmal nur von "Chot Dog" leben, sondern käme vielleicht sogar zu einer Menüfolge wie dieser: 1. Buterbrody, 2. Salat delikatesnyj, 3. Bifschteks, 4. Kartofel'noe pjure. Und dazu natürlich: Vodka!
 

Fortbewegung

Das Weiterkommen von Stadt zu Stadt ist nicht sehr schwierig, denn es gibt immer noch ein recht zuverlässig funktionierendes Bus- und Eisenbahnnetz, das zudem äußerst preiswert ist: Für 100 km sind ca. 2 Euro zu veranschlagen.

Warten auf den Bus

Um sich überflüssige Wartezeiten in den nicht gerade reizvollen, fast immer außerhalb der Stadtzentren gelegenen Stationen zu ersparen, empfiehlt es sich unbedingt, sich bereits bei der Ankunft die Abfahrtzeiten für die nächste Etappe zu notieren. Die Fahrpläne, die manchmal einen Zettel am Kassenhäuschen ausmachen, manchmal eine ganze Schilderwand, sind durchweg aktuell. Bei der Abreise sollte man sein Eintreffen an der Station allerdings nicht zu knapp bemessen, denn es können sich längere Warteschlangen an den Fahrkartenschaltern bilden, die mitunter nur sporadisch geöffnet werden.

In etwas größeren Städten verkehren - ebenfalls sehr preiswerte - Linienbusse (ca. 12 Cent), die allerdings etwas Orientierung erfordern. Aber auch die Taxis sind günstig - meist kommt man für unter1,50 Euro von der Station ins Hotel. Und - was bei dieser Zunft besonders positiv zu würdigen ist: Nur in ganz wenigen Fällen hatten wir den Eindruck, als Ausländer einen nennenwerten Ahnungslosen-Zuschlag zahlen zu sollen.
 

Unterkunft

Mal sinnlich-verspielt...

Bei der Wahl der Unterkunft sollte man nicht allzu wählerisch sein - das soll nicht pauschal deren Qualität herabsetzen, sondern heißt zunächst nur, dass es meist nicht viel zu wählen gibt. Es sind in letzter Zeit einige neue private Hotels entstanden - und peu à peu kommen weitere hinzu -, aber diese sind immer noch recht dünn gesät - und vor allem sehr klein: Bei Häusern mit ca. 10 Betten ist sehr schnell der Laden dicht, wenn sich gerade eine Gruppe wohlhabender Neurussen, bei denen diese Kategore sehr beliebt ist, eingenistet hat. Hier heißt's schnell zugreifen - oder besser noch vorher zu reservieren -, denn man wird in jedem Fall in einem Ambiente landen, das einen ganz besonderen Erlebniswert hat: niemals in allen praktischen Belangen perfekt, aber auf jeden Fall sehr individuell, da ausschließlich dem Geschmack der Eigentümer verpflichtet. Es gab kein einziges Mal, in dem nicht das erste Betreten eines solchen Zimmers zu großer Heiterkeit geführt hätte.

...mal sachlich-funktionell...

Wem der Weg in ein solches Nest verwehrt bleibt, findet in den  Standard-Hotels sowjetischer Abstammung an den meisten Orten eine Alternative. Auch sie werden jetzt nach und nach zu Normalform renoviert, sodass die Ausstattung des Zimmers vorhersehbarer ist. Die Atmosphäre hat jedoch nach wie vor einen ganz eigenen Reiz. Das verspürt man schon bei der ersten Vorsprache bei der Rezeption, der die altgediente Empfangsdame den Charakter eines Behördenbesuchs zu verleihen weiß.

...mal urig-folkloristisch

Wo auch immer - man wird kaum jemals eine Unterkunft finden, in der sich das langweilige Gefühl einstellen würde, man könnte genausogut irgendsonstwo auf der Welt logieren. Bei den Preisen ist das schon eher so: Mit ca. 60 Euro für das Doppelzimmer sollte man allemal rechnen - auch bei Etagenbad -, denn die Häuser sind sich ihres Seltenheitswerts in jedem Fall sehr bewußt.

Online-Buchung ist nur für Moskau möglich, z.B. über www.hotelmos.ru/index_e. Allerdings sind die dort angegebenen Preise niemals gültig - also demütig den per email-Antwort genannten Preis abwarten.

Eine Hilfe bei der Quaratiersuche am Goldenen Ring bietet - außer den Reiseführern - die Site www.waytorussia.net/GoldenRing/Guide, die im übrigen auch sonst einige nützliche Hinweise gibt. Beim Versuch der Kontaktaufnahme zu den Hotels muß man sich darauf einstellen, dass die hier und in den Führern genannten email-Adressen und Faxnummern nur in Ausnahmefällen funktionieren, so dass am Ende nur der mutige Griff zum Hörer bleibt.
 

 

 

nach oben