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Rätikoner
Höhenweg Süd |
Text:Heidi
Narzi |
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Auf dem
Höhenweg Rätikon Süd zur Carschina-Hütte, 2221m. |
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Um 8.30 Uhr brachen wir von der Schesaplana-Hütte aus auf und schauten nochmal auf sie zurück. Es war wieder sonnig mit einigen Restwolken. Die tolle Wolkenstimmung blieb den ganzen Tag, so dass zum Glück die Sonne nicht immer schien, denn auf diesem Höhenweg gibt es keinen Schatten. Der Höhenweg führt von West nach Ost über grüne Almwiesen mit Blick aufs Prätigau und auf Graubünden im Süden. Im Norden wird der Höhenweg von den mächtigen Gipfeln des Rätikons begrenzt. Wir müssen den ganzen Tag kaum steigen und sind bis 17 Uhr auf den Beinen. Nach einer Stunde machen wir eine kleine Pause, um wieder kurze Hosen anzuziehen. Wir entdecken Gemsen und beobachten diese für einige Zeit.
Gegen Mittag sind wir an der Golvosa-Hütte auf 2128 m. Es gibt auf dieser Almhütte eine warme und köstliche Ovomaltine: 0,4 für 3,50 SFR. Im Norden und Nordwesten bestaunen wir Kirchlispitzen, Drusenfluh und Sulzfluh. Wir sehen unsern Rück- und Weiterweg und sind von der Weite des Weges beeindruckt. Wir bleiben auf dem Höhenweg Rätikon Süd und gehen nicht auf das Caval-Joch. Wir ersparen uns unnötige Höhenmeter und versäumen deshalb den Ausblick auf den Lüner See. Der Rätikon Höhenweg verläuft ca. 150 m tiefer als der Weg vom Cavaljoch zum Schweizertor, wo die beiden Wege wieder zusammen treffen. Wir sind überzeugt, daß diese Wegwahl optimal war, weil wir weiter weg sind von den gigantischen Felswänden der Kirchlispitzen und somit das gesamte Massiv bestaunen können.
2,5 Stunden später sind wir am Schweizertor, 2139 m. Ab da geht es unterhalb der Drusenfluh und den Drei Türmen entlang, ein Kletter- Eldorado.Gegen 16 Uhr entdecken wir in der Ferne eine Hütte. Weil wir soweit nicht mehr laufen wollen, glaubt Heidi, dass dies keinesfalls die Carschina-Hütte ist.
Aber es war die Carschina-Hütte! Wir hatten noch eine Stunde zu gehen!! Gegen 17 Uhr kamen wir an. Eine grandiose Lage und eine wunderschöne Aussicht! In der Abendsonne gab es zur Stärkung Tee und Kaffee und den Blick zurück nach Westen: dort sahen wir die Golvosa Almhütte und waren stolz auf uns und die beachtliche Strecke, die wir zurück gelegt haben. Unser Tages-Resümee: Es war eine Genußtour mit wenig Höhenmetern, auf einem überwiegend sehr bequemen Weg über Almwiesen, so daß wir gehen und gleichzeitig schauen konnten. Es gab auch viel zu schauen: Die mächtigen Gipfel, die Blumen am Wegesrand (z.B. Eisenhut massenhaft). Der weite Blick nach Süden, Kühe und Schafe, deren Glocken uns musikalisch begleiteteten. Dazu noch eine tolle Wolkenstimmung, wegen des Gewitters in der Nacht davor. Nur am Schweizertor trafen wir ein paar Wanderer. Wir waren schon den zweiten Tag in der Bergeinsamkeit unterwegs. Die Carschina-Hütte ist ein modernes Haus mit sehr netten, jungen Wirtsleuten. An diesem Abend war unser Schlafsaal nur für Frauen reserviert, deshalb schlafen wir mit 2 Holländerinnen in einem Schlafsaal für 12 Personen und haben somit viel Platz. Außerdem gibt es gute Stau- und Stellflächen für die Rucksäcke, die somit nicht im Weg stehen. Die Treppe, die zu den Schlafsälen im ersten Stock führt, ist sehr steil und schmal. Um 18.30 gibt es Abendessen: Suppe, Hühnercurry mit Wildreis und Salat. Frischen Salat auf 2200 m! Die Halbpension kostet 43 SFR.
Nach dem Essen gehen alle noch vor die Tür. Es weht ein eisiger Wind. Aber es muß sein, denn es gibt einen bilderbuchartigen Sonnenuntergang. Der Wetterbericht ist für den nächsten Tag noch gut. Doch ab Donnerstag soll es bis auf 2000 m Höhe schneien. Wir beschlossen beim Schoppen Wein, nicht mehr wie geplant nach Partnaun und zur Tilisuna-Hütte zu gehen, sondern über die Lindauer Hütte abzusteigen. Bei Regen und Schnee macht Wandern keinen Spaß und ist gefährlich. Unser Entschluß wurde bestärkt durch einen Vortrag im Nachbarschlafsaal, wo der Redner betonte, daß neben der eigenen Gefährdung bei schlechtem Wetter im Hochgebirge auch das Rettungspersonal ebenfalls in Gefahr gebracht wird. Der Redner hielt es angesichts des Wetterberichts für unverantwortlichen Leichtsinn, wenn sich Wanderer trotzdem auf Gipfeltour begäben. Wir fühlten uns bestätigt und als nach diesen mahnenden Worten gegen 23 Uhr endlich Ruhe auf der Hütte eingekehrt war, schliefen wir hervorragend bis zum nächsten Morgen. |