Eine Motorrad-Tour
durch Nordthailand

Tagebuch und Bilder:
Marlis Küpper
Dezember 2005

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Donnerstag, 08.12
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in Chiang Mai, es ist grau. Wir starten um 10:30 Uhr.

Es geht südwestlich aus der Stadt hinaus zum ersten Tempel der Tour: Wat Ton Kwen ( s. "Versteckte Perlen in Nordthailand" ):

 

Diesmal ist es auf dem Gelände sehr belebt, da Kunststudentinnen und –studenten hier dem ruhig gelegenen, alten Tempel ihre Aufwartung machen. Mit großen Zeichenblöcken sitzen sie auf dem Rasen und malen, zeichnen oder fotografieren das alte Wat.                     

Nach dem beschaulichen Stopp geht es dann so richtig los in die Berge des Doi Inthanon, des höchsten Berges Thailands (2590 m). Wir fahren auf einer Nebenstrecke zur Strasse 108 Richtung San Pa Tong über Hang Dong. Dort auf der Nebenstrecke weiter geradeaus bis zur Strasse 1013. Hier biegen wir rechts ab auf eine kleinere, aber asphaltierte bergige Strasse Richtung Mae Wang. Zunächst ist die Sicht noch gut trotz tiefhängender Wolken, der Blick noch frei auf den Mae Wang Fluss links der Strasse, die Hügelketten und kleinen Dörfer. Je höher wir kommen, je schlechter das Wetter. Erst Nebel, dann Nieselregen. Die Regenjacke ist längst übergezogen, denn es ist nicht nur nass, sondern es wird auch immer kühler. Vom Doi Inthanon nichts zu sehen, statt dessen der Blick auf die Straße mit ihren steilen Kurven, Bergen und Schlaglöchern. Nach Mae Nua (einige Kilometer) geht es links weg vom Asphalt auf eine lehmige Piste. Durch einen Wald geht es schließlich zu dem Dörfern  Nong Tao, Richtung Khun Wang und Khun Klang. Diese Strecke  ist von den Regenfällen ziemlich aufgeweicht, und meine erste Bewährungsprobe auf dem Motorrad steht an. Ganz schön rutschig die lehmige, rote Erde! Ganz glatt komme ich da nicht durch, und Christoph muss an schwierigen Strecken Hilfe leisten und das Motorrad durch den Lehm heraus fahren. Nach fünf Stunden Fahrt, ca.170 km, kommen wir in Mae Chaem, im „Navasoung Resort“ an.

Die Wirtin begrüßt uns freundlich, und das wunderschön gelegene Resort ist ein Ausgleich für die körperliche und psychische Belastung des ersten Streckenabschnitts. Umgeben von einem Blumenmeer von Bouganville sitzen wir dann bald vor unserm Bungalow und blicken in die Berge, genießen die wunderbare Luft mit ihrem Geruch von verbranntem Holz vom Lagerfeuer der Einheimischen, die in ihren Hütten unter uns leben.
Die Chefin des Hauses kocht für uns und serviert  auf der großen und schönen Terrasse des Restaurants ein grünes Curry und ein Wald-Curry „Gääng Khiao Waan“ und Gääng Baa".  Hier kann man genießen und entspannen. Wir sind die einzigen Gäste, die auf der großen Veranda des Restaurants sitzen. Wir lassen den Blick in die Berge schweifen, und denken dabei an den erlebnisreichen und anstrengenden ersten Tag auf dem Motorrad zurück.

 

Freitag, 09.12. in Mae Chaem

Der Doi Inthanon im Osten ist von beeindruckenden schwarzen Wolken verhangen. Im Westen kämpft die Sonne mit den Regenwolken. Sie schafft es, und am Mittag sind die Wolken weiß und der Himmel blau. Nur über dem großen Berg bleibt es düster, und der Gipfel ist auch heute nicht zu erblicken. Frühstück auf der großartigen Terrasse.

Tagesprogramm: Heute sehen wir uns drei Tempel aus der Lanna-Epoche an, und wir besuchen ein Weberdorf. Alles in gut erreichbarer Ferne, von unserem Standort aus, wenn man ein Motorrad hat.

1. Wat Putta En, mit einem alten Bot, der auf Stelzen im Wasser steht - davon leider kein Foto.

     

2.Wat Pa Daed (Fresken im Wat, Geburt Buddha durch eine Frau, die nach alter Geburtsmethode am Baum hängend das Kind zur Welt bringt).
Bevor man zu diesem alten Wat kommt, von dem es leider kein Foto gibt, der (neue) Bot vor dem Tempelgelände:

 

3.Wat Yang Luang , innen geschmückt mit Webergirlanden und einem Khitchakuut (dies ist ein Stupa, verziert mit mehr Reliefs als üblich), den man hinter einer sitzenden Buddhastatue aus Bronze im Lanna Stil entdecken kann.

 

Auf der Rückfahrt in das Dorfzentrum fahren wir an einer blitzsauberen Suppenküche vorbei, platziert auf einer schillernd grün gekachelten Terrasse. Da heißt es anhalten und mal den Koch fragen, was er zu bieten hat. Und was gibt’s? Phad Khaprau, das ist im Wok gebratenes Hackfleisch, gewürzt mit Oyster – und Fischsauce, Chilis und scharfem frischem Basilikum auf Duftreis angerichtet. Christoph isst: Pad Phrik, das ist Schweine- oder Hühnerfleisch mit frischem (nicht scharfem) grünen Chili und Zwiebeln. Weil’s so gut schmeckt und noch ein Resthunger vorhanden ist, ordert er noch eine Guaitiao, eine Nudelsuppe. Die Zubereitungszeit dieser Gerichte dauert maximal 5 Minuten.

Gut gestärkt fahren wir ins Weberdorf und dem Tempel Wat Yang Luang (siehe oben).
Die Fahrt geht am Fluß entlang, und auch das Dorf ist an seinen Ufern entlang gebaut. Die Weber haben alte, schmucke Holzhäuser, üppige Gärten und große Holzscheunen im Hof, unter deren Dach Zwiebeln und Knoblauch in Büscheln zum Trocknen aufgehängt sind.
Auf der lang gezogenen Straße gibt es mehrere Weberinnenläden,und vor vielen Häusern klappert der Webstuhl. Der Mittelpunkt des Verkaufs ist ein Show-Room am Ortseingang. Man kann dort in Ruhe die Produkte anschauen, anfühlen und kaufen. Es gibt dort Stoffe, Schals, Krawatten, Umhängetaschen, Kleider u.a.m. Auf der Terrasse ist eine Weberei mit vier Webstühlen, und dort kann man den Weberinnen bei ihrer Arbeit zuschauen. Das besondere dieser Art der Weberei ist, dass die Stoffe beidseitig gewebt sind, also eigentlich keine rechte und linke Seite haben, sondern das gleiche Muster auf beiden Seiten sichtbar ist.
 

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