Man kann in 3-4 Stunden mit dem Bus von Chiang Mai nach Chiang Rai fahren. Die diesem Bericht zugrunde liegende Tour dauerte jedoch ca. eine Woche. Entsprechend verschlungen waren die Wege, denn die Absicht der Unternehmung war eine Suche.

 

Die Suche ...

Ausgangspunkt war die Vermutung, dass es in diesem schönen Landstrich doch sicher noch Orte, Strecken und Unterkünfte geben muß, die noch nicht zum Allgemeingut touristischer "Highlights" geworden sind, die aber deshalb nicht weniger - oder gerade umso mehr - von den vielfach geschilderten Reizen dieser Region an sich haben: idyllische Berg- und Flußlandschaften, Anmut und Ruhe ausstrahlende alte Tempel, das Leben in den Dörfern mit seiner einnehmenden Gelassenheit, und nicht zuletzt auch Unterkünfte, die es zusätzlich angenehm machen, an alledem aus unmittelbarer Nähe teilzuhaben.

Vom Highway aus sind solche Schätze höchstens zu ahnen. Da muß man schon den kleinen Nebensträßchen folgen und sich nicht irritieren lassen, wenn diese schließlich immer kleiner werden und keine Hinweise mehr zu finden sind, wohin der Weg führt. Und dazu braucht man auch die Zeit, die nicht vorhersehbaren An- und Ausblicke als Einladung anzunehmen und zu verweilen.

... und ihr Ergebnis

Im Gegensatz zu einem üblichen Reisetagebuch geht dieser Bericht ausdrücklich selektiv vor. Erstens ist er vorsätzlich positiv: Es werden nur die Orte beschrieben, die mir als besonders reizvoll erschienen - somit können der Eindeutigkeit halber alle hier aufgeführten Ziele per se als Empfehlung verstanden werden!  Zweitens werden auch von diesen nur diejenigen beschrieben, die nicht schon ohnehin in den einschlägigen Reiseführern hinreichend gewürdigt worden sind, bzw., deren Darstellung mir unterstützens-, ergänzenzwert oder in einigen Details auch korrekturbedürftig erschien. Und drittens fehlt so fast ganz der Aspekt der individuellen, eher zufälligen Ereignisse, die einen persönlichen Reisebericht auszeichnet.

Als Ausgleich für diese Beschränkung habe ich mich bemüht, wo nötig, exakte und zuverlässige Wegebeschreibungen zu geben, um auch Anderen die beschriebenen Orte möglichst problemlos auffindbar zu machen. Alles in allem: Der vorliegende Bericht will zum Nachvollzug anregen. Er kann und will nicht als Ersatz der vorhandenen Reiseführer genommen werden, gerne aber als Ergänzung.
 

 

Die Perlen

Der wertenden Absicht des Berichts folgend, habe ich mir ein Bewertungssystem von drei "Qualitätsstufen" zurechtgelegt, dem jedes Objekt unterzogen wurde. Das dient der Schärfung des Urteils - und es macht ja auch insgeheim Spaß,  Zensuren zu verteilen.

Die verschiedenen zu vergebenden Prädikate - 1 bis 3 Perlen - haben in grober Anlehnung an den Guide Michelin etwa folgende Bedeutung:

Interessanter bzw. empfehlenswerter Ort. Lohnt einen Halt bzw. Aufenthalt, wenn er am Weg liegt.

Darüber hinaus atmosphärisch stimmungsvoll und daher im wahrsten Sinne "genießbar" - die spezifischen Reize der Region kommen hier voll zur Geltung.

Eine Perle eigener Art, charakteristisch und stimmungsvoll, aber vergleichbaren Orten noch durch ein besonderes Merkmal überlegen. Eine solche Gelegenheit findet man kaum ein zweites Mal, daher sollte man sie ergreifen!

Wieviele "unvergleichliche" 3-Perlen-Objekte hat nun die Suche zu Tage gefördert? Für alle, die es gleich wissen wollen, hier sind sie:

Stilles Tète-à-tète mit der Lanna-Kultur: Wat Ton Kwen bei Chiang Mai

Dschungel-Expedition kompakt: Tour zum Mae Taeng-Fluß

Die erholsamste Weise, das Land zu entdecken: Doi Farang Resort bei Phrao

Alle Reize Nordthailands auf 30 km: Landpartie von Chiang Rai

Traumerfüllung für Stadtflüchter:: Akha Hill House bei Chiang Rai

Es sind also fünf, und das sind, finde ich, angesichts der obigen strengen Kriterien, gar nicht wenige. Und schließlich ging es ja nur um den Bereich zwischen Chiang Mai und Chiang Rai. Nordthailand hat noch viel mehr zu bieten, und so sind etwa in den Provinzen Mae Hong Son, Nan und Phrae noch viele weitere versteckte Perlen zu entdecken - worüber bei nächster Gelegenheit berichtet wird.

 


Das Fahrzeug

Aus der Abgelegenheit vieler Orte ergibt sich, dass für einen Nachvollzug der Touren ein eigenes Fahrzeug unbedingt zu empfehlen und zum Teil auch unerläßlich ist, und auch die Routenbeschreibungen richten sich an Selbstfahrer. Dabei ist ein normaler Straßen-PKW nicht unbedingt die beste Wahl, manche Streckenabschnitte sollten damit sogar besser gar nicht erst versucht werden (darauf wird ggf. ausdrücklich hingewiesen). Besser ist schon ein geländetaugliches Fahrzeug wie der in Thailand als Mietauto sehr beliebte kleine "Suzuki Carribean" - allerdings sollte man sich vorher mit der Zuschaltung des Allradantriebs vertraut machen.

Mit einem Zweirad ist man auf den manchmal sehr engen Stecken noch wendiger unterwegs. Dabei gilt gar nicht unbedingt das Kriterium der Größe und Stärke. Ein Offroad-Bike dürfte sicher die beste Wahl sein, aber das landesübliche 125 ccm "Honda Dream" hat mich, trotz gelegentlicher arger Mühe für Fahrzeug und Fahrer, auch brav überall hingetragen. Und man sollte auch das Eigengewicht des Gefährts bedenken: Oft war ich froh, kein schweres Gerät halten zu müssen, das mich möglicherweise in den einen oder anderen Abgrund gezogen und von diesem nicht mehr zurückgegeben hätte... Mit dem kleinen "Schnauferl" kann man zwar auf dem Highway keinen Eindruck machen, aber hier gibt's ja keinen mehr, der hinschaut: Da kann man es nötigenfalls auch mal an die Hand nehmen und eine besonders schwierige Passage einträchtig mit ihm zu Fuß bewältigen.
 

Orientierungshilfen

Eine eigene Straßenkarte ist trotz der Steckenbeschreibungen unverzichtbar. In Übereinstimmung mit dem Urteil von Reiseführern hat sich die Karte "Thailand North" des Münchener (!) Verlags Berndtson & Berndtson (B&B Map) recht gut bewährt, die in Chiang Mai und Chiang Rai im Buchhandel erhältlich ist. Auch sie ist zwar recht großflächig, aber alle darauf verzeichneten Straßen gibt es tatsächlich (was offenbar nicht selbstverständlich ist), und ihre Beschaffenheit ist auch recht zuverlässig wiedergegeben.

Allerdings teilt sie mit anderen Karten internationaler Verlage die Eigenheit, dass die Ortsbezeichnungen nur in lateinischer Umschrift wiedergegeben werden. Damit ist sie zwar für unsereinen sehr einfach lesbar, zum Nachfragen erweist sich dies jedoch als erheblicher Nachteil: Die verwendete Umschrift gibt einerseits die wirkliche Aussprache der Konsonaten höchstens annäherungsweise wieder, andererseits werden Länge und Betonung der Vokale gänzlich ignoriert, so dass nicht mal mehr ein sprachkundiger Leser entscheiden kann, wie der Ort denn nun wirklich heißt. Und zum darauf  Deuten eignet sich die Karte damit auch kaum, denn unter den hier anzutreffenden lokalen Ansprechpartnern findet sich kaum noch jemand, der dieses merkwürdige Zeug lesen kann.

Um keine Verwirrung zu stiften, halte ich mich an die Bezeichnungen der Karte, gebe aber in wichtigen Fällen eine Hilfestellung zur Aussprache in Anführungszeichen (z.B. Pa Pae ("Baa Bää")), die allerdings, solange man sich auf den Zeichenvorrat des deutschen Alphabets beschränkt, auch nur eine Annäherung bleiben kann.

Eine rühmliche Ausnahme in der insgesamt nicht ganz befriedigenden Karten-Lage ist die - allerdings dem Titel entsprechend nur beschränkt anwendbare - "Guide Map of Chiang Rai". Sie ist zweischriftig, für manche Gebiete äußerst detailliert und sehr sorgfältig recherchiert - offenbar das Werk eines engagierten Einzel-Verfassers (Naadkhanaa Buransiri), der darin sein Lebensaufgabe gefunden zu haben scheint. Sie scheint allerdings nur in Chiang Rai erhältlich zu sein - und auch da nicht immer, so dass man bei Bedarf und Gelegenheit sofort zuschlagen sollte.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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