10.11. Nong Khai - Chiang Khan

Von Nong Khai nach Chiang Khan sind es 200 km, davon gut die (zweite) Hälfte malerisch direkt am Mekong entlang. Eigentlich keine Tagereise, bei den guten Straßen hier.

Busfahren in Thailand I

Abfahrt in Nong Khai 9:30, kleine Panne auf der Strecke, Ankunft in Pak Chom (160 km) gegen 13:30. Hier Umsteigen für die letzten 40 km, der nächste geht um 14:30. Die Busstation ist ein rechteckiger Platz von der Größe eines Fußballfelds, wo innen nichts ist und außenherum ein Markt und ein paar kleine Kneipen und Läden. Am Flußufer ein neues Terrassenrestaurant aus Bambus und ein hübscher Park mit Bougainville-Sträuchern.

Weiter geht’s im Songthaew. Der Fahrer läßt sogar etwas vor der Zeit den Motor an, läßt dann jedoch eine besonders eindrucksvolle Demonstration eines der letzten niemals zugänglichen Geheimnisse dieses Landes folgen: das Ritual der endlosen Abfahrt. Es dauert eine Viertelstunde, bis er den zweiten Gang einlegt, nach einer halben Stunde sind wir ca. 5 km weiter. Zwischendurch verlässt er uns auf ein Glas Wasser bei Freunden, hält dann immer wieder, wo durchaus jemand zusteigenkönnte - wenn einer da wäre, der zusteigen will, nur ist halt keiner da. Irgendwann biegt er in eine Seitenstraße und bleibt wieder stehen. Man sagt ihm, droben auf der Hauptstraße stehe einer, der mitwill. Nach ein paar weiteren Minuten fährt er wieder zurück zur Hauptstraße, und der dort wartende steigt ein. Warum nur werden alle, denen der Abschied so schwerfällt, ausgerechnet Busfahrer? Andrerseits, Parkwächter werden hier halt auch keine benötigt.

Mit uns an Bord zwei Mönche, ein älterer und ein eher jüngerer mit zwei rechteckigen, fernseher-förmigen Brillengläsern, hochmotorisch veranlagt. Er rülpst wiederholt laut knatternd, lacht zu uns herüber und sagt: "Eruptions!" Er quasselt und gestikuliert unentwegt, hat offenbar schon eine Unsumme skuriller Dinge erlebt, der ältere hört zu und lächelt. Nachdem der ältere ausgestiegen ist, ist er wieder ganz mit innerer Reinigung in verschiedenen Formen beschäftigt.

Letztes Donnerwetter am Mekong

Kurz nach 16 Uhr läßt es sich nicht mehr verhindern, dass wir in Chiang Khan ankommen. Die Rückkehr in unsere Wahlheimat der Phantasie ist zunächst ein kleiner Schock: Vor unserem Holz-Hotel mit Flußblick steht ein riesiger Reisebus. In anderen Unterkünften sind nur noch die schlechteren Zimmer zu haben. Wir bleiben schließlich im "Friendship", Holzhaus mit einfachen Zimmern ohne Bad, aber sehr sauber (200 B). Wir lieben Chiang Khan wegen der alten Holzhäuser, und wenn diese nicht bloße Attrappe sein sollen, kann man eben keine Sanitärinstallationen einbauen. Nachdem wir uns das klargemacht haben, freunden wir uns mit der Unterkunft an, zumal die Besitzer - ein älterer Schwede und seine junge Thai-Frau - sich sehr nett um alles kümmern.

Rückschlag auch beim Wetter: Es zieht ein mächtiges Gewitter auf, und der Regen prasselt mit oh renbetäubendem Lärm auf das Blechdach des Holzhauses. Es hat sich in den letzten Tagen immer mehr stabilisiert, und heute war es richtig schön weiß-blau gewesen. Der Schwede sagt, das Wetter sei dieses Jahr total daneben, normalerweise wäre es seit zwei Monaten trocken. Der Mekong habe schon bedrohlichen Wasserstand erreicht, 2 m mehr, und die Katastrophe wäre da.

In der Nacht kommt noch ein gewaltiger Sturm auf. Wir retten Marlis’ Klamotten vom Balkon und verrammeln die Fensterläden, die so herumgebeutelt werden, dass es durchs ganze Haus knallt. Es regnet die ganze Nacht weiter.