<< zurück

29.10. Muang Sing - Luang Nam Tha

Sauwetter in Muang Sing

Es schifft die ganze Nacht durch. Sinnlos, in der Hoffnung auf besseres Wetter noch zu bleiben. Um ¼ vor 7 stehen wir vor dem ersten Bus zurück nach Nam Tha. Es kommt jedoch eine blonde Tante, die beansprucht, für eine Reisgruppe zu sprechen, und den halbvollen Bus kategorisch für "full" erklärt. Wir schauen genauso blöd wie die gleichermaßen abgewiesenen Einheimischen. Dass ein Bus überhaupt irgendwann mal als voll gilt, ist in Laos vermutlich noch nie vorgekommen - dass dies gar mit einem halbleeren passiert, muß für die Leute eine harte Nuss sein, ein philosophisches Paradoxon geradezu. Um ¼ nach 8 fährt der nächste Bus vor, wir setzen uns sicherheitshalber gleich rein, und sitzen so erstmal eine Stunde, bevor er losfährt. Leider ist's nicht derselbe Bus wie bei der Hinfahrt, sondern ein Truck mit zwei Längsbänken. D.h. man hat keinen nachweisbaren Sitz, sondern wird von jedem, der hinten einsteigt, um ein paar cm nach vorne verschoben, und diesmal sagt keiner "full". Die "Fahrt" ist ein elendes Gejuckel - der Truck kann nicht so schwungvoll in die Schlaglöcher wie der Bus - und dauert ca. 1 Std. länger. Da die Planen herunter sind, würde man die in den Wolken verschwundenen Berge sowieso nicht sehen, nur was auf Straßenhöhe ist: Bambushäuser, Akha-Frauen - manche barbusig, trotz des miesen Wetters. Beim Kontrollposten auf der Passhöhe steigen alle aus, postieren sich aufgereiht mit ein paar Meter Abstand am Straßenrand und pinkeln. Bunte Reihe, auch die Frauen, die dazu erstaunlicherweise hier den Rock gar nicht hochheben müssen. Das scheint bei dieser Busfahrt inklusive zu sein, also mache ich auch mit. Wenn das hier üblich ist, kriegen die zwei Soldaten, die den ganzen Tag unter einem Strohdach an der Straße sitzen, mit der Zeit ganz schön was ab. Die tasten derweil ein bisschen am im Truck zurückgelassenen Gepäck herum; eine alte Frau muss ihren Reissack aufschnüren, und es ist Reis drin.

Luang Nam Tha Central Bus Terminal

Die besitzergreifende Reisegruppe des Morgens soll uns einen ganzen Tag kosten. Wir kommen um 12 in Luang Nam Tha an. Geht noch ein Bus nach Udomxai? Zuerst "nein", dann "ja, um 14 Uhr", dann "vielleicht". Wir lassen uns in einer Kneipe am Busbahnhof nieder, um uns alle drei Optionen offenzuhalten; unsere anglophonen Mitreisenden am Nachbartisch picheln sich vorsichtshalber schon mal mit Bier und einer Flasche Lao-Lao ein. Um 15 Uhr brechen wir's ab; Option 1 hat sich als die zutreffende erwiesen. Diesmal bekommen wir immerhin ein Zimmer in der zuletzt ausgebuchten Wunschadresse: Luang Nam Tha Guesthouse, schöne alte Villa im Kolonialstil in einem Garten mit Teich. 18.000 k für ein richtiges Zimmer - es steht sogar ein Schrank drin - ein Witz im Vergleich zum "Hotel" von vor drei Tagen.

Ich bin etwas angeschlagen, spüre Erkältungssymptome. Marlis diagnostiziert leichtes Fieber. Ich nehme ein Aspirin, lege mich aufs Bett und gebe den Tag auf, der allmählich von trübe in dunkel übergeht. Am Abend reicht's nur noch bis zum Terrassenrestaurant des Guesthouse. Sie sitzen dort fasziniert um einen Cassettenrecorder herum und scheinen etwas überrascht, dass auf einmal jemand kommt und was essen will. Dementsprechend ist's denn auch, aber gut beschallt.