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28.10. Muang Sing

Am Markt: Exotische Trachten...

...und leger geschnittenes Beinkleid

Vor dem Frühstück auf den Markt, der als der farbenprächtigste in Nordlaos gilt. Farben ja, prächtig weniger. Die Frauen haben z.T. bunte Tücher um, wirken aber großenteils etwas grantig. Mag sein, dass ihnen die Touristen stinken, vielleicht aber auch nur das Wetter - es ist wieder grau in grau. Wir lassen uns nicht davon abhalten, zwei Fahrräder zu mieten, um damit an die chinesische Grenze zu radeln, ca. 10 km. Nach 1.5 km stehen wir unter einem Baum, holen das Regenzeug raus und schauen in alle Richtungen. Egal wo die Wetterseite eigentlich ist, es sieht überall gleich düster aus. Wir kehren wieder um, und sofort nach unserer Rückkehr ins Hotel fängt es gnadenlos zu schütten an, für mehrere Stunden.

Reise nach China

Der Hauptteil des Tages vergeht auf der Galerie des Hotels, v.a. mit Schreiben. Mit den Fahrrädern passiert nichts mehr, außer dass wir sie wieder hinstellen, nachdem sie im Morast umgekippt waren. Wenn das Wetter da so ist, wird China nicht unser Land.

Am Abend wieder ins Restaurant Himmelblau an der Kreuzung. Alle Wände, alle Stühle und alle Tischdecken aus Kunst-Plüsch sind in demselben hellblau gehalten. So weiß man sich für das triste Wetter zu entschädigen. Sehr gute Tom Yam (eher vietnamesischer Stil) und Nudelgerichte. Wir sind zunächst allein, aber nach 2 Minuten sind ca. 42 Gäste im Raum. Ein Konvoi chinesischer Lastzüge ist vorgefahren. Die Chinesen verteilen sich auf vier große Tische, nach einer strikten Aufteilung. Die einen sind offenbar Bessere, die anderen müssen demnach die Schlechteren sein. Die Besseren haben im Schnitt ca. 5 cm dickere Köpfe als die Schlechteren. Die Besseren machen sich an den Tischen breit und palavern lauthals, während die Schlechteren kerzengerade dicht auf dicht dasitzen und nur ab und zu leise miteinander reden. Die Schlechteren kriegen zuerst, viel Reis und wenig dazu. Erst als sie fertig sind, wird für die Besseren aufgetragen, auch viel Reis, aber dafür viel dazu. Schließlich steht einer der Besseren auf, schickt die Schlechteren in den Transportraum eines LKW und fährt mit ihnen davon. Die andern lassen sich noch Zeit, verteilen sich dann auf die Führerhäuser der anderen Lastzüge und donnern los. Der alte Wirtsvater deutet in Richtung der Grenze, sagt "Chai-naa!" und grinst. Die Wirtsleute freuen sich offenbar sehr, dass wir schon mehrmals ins Himmelblau gekommen sind, und runden sogar die Rechnung nach unten ab (30.000 k = ca. 7,20 DM für 1 Tom Yam, 2 Nudelgerichte und 3 große Beerlao.) Dann gehen wieder die Lichter aus, und im Kerzenlicht werden die Hinterlassenschaften der 40 Chinesen und 2 Deutschen beseitigt.