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26.10. Huay Xai - Luang Nam Tha

Alle haben unabhängig voneinander gesagt, dass der Truck nach Luang Nam Tha um 8 Uhr startet: Der Mann am Zoll, die Frau im Hotel und die Frau im Reisebüro. Eine so eindeutige Auskunft haben wir noch niemals in Laos erhalten. Der Busbahnhof in Huey Xai ist eine etwas größere Fläche neben dem Markt, auf der einige Tuk-Tuks und Pickups herumstehen, aber keine Busse. Als wir um 7:30 ankommen, stehen schon einige Traveller da, auch die große blonde Holländerin mit ihrem kleinen Freund mit dicker Brille, der selten was sagt, aber meistens lacht. Sie stehen schon den vierten Tag hintereinander hier, sagt sie. Jeden Tag hat man ihnen schließlich gesagt, dass heute kein Bus geht, aber morgen. So auch die anderen, die herumstehen. Aber auch ein Laote sitzt in Hocke da, im schwarzen Anzug mit außen aufgenähtem Markenetikett. Auch er sagt, er führe nach Nam Tha. Er sagt aber nicht, seit wievielen Tagen er das schon sagt.

Der Fahrplan nach Nam Tha wird mit dem Wischlappen auf Null gesetzt

Es wird 8 und ½ 9, die Traveller werden immer mehr, und auch die Zweifel. Ca. 18 Leute wollen nach Nam Tha, aber keiner will sie fahren. Dabei mangelt es nicht an Fahrern, auch nicht grundsätzlich an Fahrzeugen - nur an solchen, die diese Strecke, die als "Straße" kaum zu bezeichnen ist, schaffen. Einen regulären Linienverkehr gibt es deshalb natürlich auch nicht. Da einer der Traveller versehentlich noch seinen Guesthouse-Schlüssel in der Tasche hat, taucht sein Wirt auf, um ihn sich wiederzuholen. Er gewahrt das krasse Mißverhältnis zwischen zahlungsfähiger Nachfrage und Angebot und verspricht, einen Transport zu organisieren. Dafür wird er von der versammelten reiselustigen Mannschaft mit Dank und Verehrung überhäuft. Nach einiger Zeit kommt ein japanischer Gelände-Pickup mit vier Sitzen innen und einer etwa 2x2m großen Ladefläche. Während Rucksäcke und Reisende schichtweise darauf aufgestapelt werden, stehen wir beiseite und fragen uns, ob wir wirklich noch nach Nam Tha wollen.

Auch die Fahrgäste erhalten Gelegenheit, sich vom ordnungsgemäßen Zustand des Fahrzeugs zu überzeugen

Erfolgreich gezögert: Plötzlich reißt uns die Holländerin aus unserem Grübeln und fragt uns, ob wir mit ihnen einen Jeep teilen wollen. Dieser war inzwischen fast unbemerkt am Rand der Szene auf-getaucht. 700 B pro Person, vier richtige Sitze für uns vier und keinen mehr. Und mir geben sie auch noch den Vordersitz, direkt hinter der x-fach gesprungenen Windschutzscheibe. Komfortabler ist wahrscheinlich noch nie jemand diese ca. 200 km lange, in allen Reiseführern als "Martyrium" geschilderte Strecke gereist. Nach einigen weiteren Runden durch den Ort, zum Tanken und Einladen von Reservebatterie und diversem Gartenwerkzeug für evtl. spontane Straßenarbeiten, geht's los.

Die Straße führt durchs Bergland, deren wenige Bewohner sicher viel brauchen - nur keine Straße. Nicht nur, weil sie kein Auto haben, sondern auch, weil sie autark sind. Im Interesse einer übergrei-fenden Verkehrsinfrastruktur hat man inzwischen begonnen, sie überhaupt erst zu einer Straße auszubauen. Abschnittweise, dementsprechend unterschiedlich ist das Fortkommen. Manchmal sind es nur zwei Erdrillen durch den Dschungel, manchmal eine richtige Schotterpiste. Manchmal könnte man auch abstürzen, wenn das Erdreich aufgeweicht oder der Fahrer unkonzentriert wäre. Aber das Erdreich hält, und unser Fahrer ist große Klasse, zehn Stunden höchste Anspannung und gleichzeitig immer gut drauf.

Der Polaroid-Trick

Kurze Mittagsrast vor Vieng Pukha. Vor einem Rasthaus aus Bambus steht ein Lastwagen, Art Vieh-transporter, auf dem Männer in dunklen Anzügen stehen. Vermutlich ein Chinesen-Transport. Unser Fahrer hat sogar Essen für uns mitgebracht, Klebreis und ein bisschen was Geräuchertes. Während wir das in der Hütte verzehren, kommen die Kinder vom Dorf immer wieder näher, um immer wieder kreischend wegzulaufen. Mein erster Versuch mit dem Polaroid-Trick wird zum durchschlagenden Erfolg. Nachdem sich zunächst nur ein paar der allermutigsten Jungs aufnehmen lassen, sind sie ganz aus dem Häuschen, wie das Foto rauskommt. Immer mehr wollen drauf, alle wollen vorne drauf sein - und jeder will das Foto haben. Die Frauen laufen zusammen, um sich mit ihren Kindern ablichten zu lassen. Hier hat offenbar noch keiner jemals ein Foto von sich gesehen. Hier könnte ich wohl noch eine Lebensstellung in meinem Traumberuf finden.

Die Landschaft ist paradiesisch. Dichter Dschungel, und in die Schwingungen der Täler eingelegt die sanfteste und ästhetischste Form der Kulturlandschaft: leicht terrassierte Reisfelder. Bali ist duch solche Landschaft weltberühmt geworden - und wird dafür heute zu Tode vermarktet. Wie schön es hier ist, weiß kaum jemand, am wenigsten wahrscheinlich die Bewohner selbst.

Warten, bis die Straße gebaut ist: Da lacht der Holländer!

Wir erreichen Nam Tha in der Dunkelheit, nach ca. neun Stunden Fahrt. Dann noch eine lange Irrfahrt durch den weitläufigen, stockfinsteren Ort, auf der Suche nach der Unterkunft unserer Wahl. Die Adresse steht im Internet, aber keiner scheint sie hier zu kennen - wer hat hier auch schon Internet. Aber unser Fahrer findet schließlich auch dorthin - ...nichts mehr frei, also weiter geht die Suche. Das eine belegt, das andere paßt uns nicht - er bleibt geduldig und freundlich bis zur Selbstaufgabe. Zum Schluss landen wir wieder da, wo er uns ganz zu Anfang schon hingebracht hatte: im "Hotel" am Ort (Hongthaxay Someboun Hotel), Typus ehemaliger Staatsbetrieb, vorne Auffahrt und säulenbewehrte Eingangshalle, innen heruntergewirtschaftete Zimmer. Im Zimmer eine Pfütze, und das Waschbecken baumelt von der Wand (5 USD).

Our Driver

 

 

 

 

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