Den Mekong hinunter
von Laos nach Kambodscha
2004

Tagebuch: Marlis Küpper
Textkästen: Christoph Rogger
Bilder: C.Rogger / M.Küpper


 
Abschied von Don Khone


 Kurs auf Kambodscha


 Ausreisen...


...einreisen...


und mit full speed weiter


Stung Treng:
Parkgestaltung klassisch


 ...und neuzeitlich


29.11.:

Don Khone - Stung Treng
Auf dem Fluß nach Kambodscha

Abreise aus dem „Paradies“ zur Grenze nach Kambodscha. Um 8 Uhr stehen die Motorradfahrer vor der Tür. Ziel ist der Bootsanleger unterhalb der Wasserfälle. Wir steigen mit unserem Gepäck auf und werden entlang der alten Eisenbahnstrecke dorthin gefahren. Wir überqueren einen schönen Sandstrand, wo auch Kioske und Sitzgelegenheiten stehen, und steigen in ein kleines Boot. Mit unserem sympathischen „Kapitän“ durchqueren wir den Mekong. Eine wunderschöne Flusslandschaft zieht an uns vorbei. Nach ca. 30 Minuten Stopp auf einer kleinen Insel. Hier sind die Irrawady-Delphine zu besichtigen, und dass die Insel schon in Kambodscha liegt, kann man auch gleich merken: Die herumstehenden Bierflaschen heißen  nicht mehr „Lao“ sondern „Angkor“. Eines der Säugetiere sehen wir dann auch wiederholt aus dem Wasser springen, um Luft zu holen.

(Wir bekommen von einem Fischer ein Angebot (30 $), uns zur Grenze und weiter nach Kambodscha, in die Stadt Stung Treng zu bringen. Wir schlagen aus - und dies war ein Fehler: An der Grenzstation müssen wir dann mehr (40 $ vor dem Handel und 32 danach) für die weitere Beförderung zahlen.)

Weiter geht es mit unserem Boot zur laotischen Grenzstation Veun Kham, um auszuchecken. Eine lehmige, steile Böschung hinauf bis zur Passstelle, und den Ausreisestempel bekommen wir für 2 $ pro Person. Wir müssen ein neues Boot chartern, das uns zur kambodschanischen Grenze bringt, die auf einer Mekong-Insel postiert ist. In einer Hütte auf Stelzen werden unsere Visa geprüft, und für 3 $ pro Person bekommen wir den Einreisestempel in den Pass.

Mit dem Speedboat geht es jetzt nach Stung Treng. Wir sind die zahlenden Reisenden (der ausgehandelte Preis gilt immer für das ganze Boot), ein paar lokale Trittbrettfahrer sitzen auch schon im Boot bzw. werden im nächsten Dorf von der Schule abgeholt. So kann man leicht gute Taten tun, und die Götter sind einem so immer wohl gesonnen! Die Fahrzeit nach Stung Treng mit einem moderat düsendem „Kapitän“ beträgt 1 1/2 Stunden. Die Fahrt lohnt sich, da die Flusslandschaft immer neue Blicke zu bieten hat.

In Stung Treng angekommen, werden wir gleich auf unverwechselbar kambodschanische Weise begrüßt: umringt von einer Traube von Jungs, die uns alle in verschiedene Richtungen zerren wollen - jeder in ein anderes Guesthouse oder Hotel. Da wir eh nur einen glücklich machen können, folgen wir dem Werber für das „Sekong Hotel", wo wir eh hin wollten. Nach erster Besichtigung ein kurzer Zweifel, ob wir uns nicht doch noch was anderes anschauen sollten - aber was soll's, es ist ja nur für eine Nacht (s. Kasten).

Auch der Ort unverwechselbar kambodschanische Szenerie. Wie in allen Städten, aus der kolonialen Vergangenheit einige Gebäude und großflächige, mit Grünanlagen gezierte "Boulevards". Nur wirken diese hier noch großflächiger - und dadurch noch deplazierter: wie die Kulisse eines eleganten Spektakels, die man einfach stehen gelassen hat, obwohl die Aufführung längst vorbei ist. Das heutige Leben scheint weder das Bedürfnis nach Stadtverschönerung hervorzubringen noch die Mittel dazu, und deshalb ersetzen weiße, rosa und hellblaue Plastiktüten die Blumen in den Rabatten.
 

Wohnen in Stung Treng

Mit dem Aufschwung des Tourismus in Kambodscha  –  bzw. der Erwartung  eines solchen - sehen sich die althergebrachten „Ersten Adressen“ allenthalben der Konkurrenz neuer Hotels ausgesetzt, die – unter Einsatz möglichst vieler gekünstelter Säulenkonstruktionen und speckig glänzender Balkonbrüstungen – in erster Linie durch ihr protziges Äußeres die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versuchen. So steht man überall vor der Entscheidung: alt oder neu?, eben auch in Stung Treng.


Man würde ja gerne die „gediegenen“ Adressen gegen den Angriff der tolldreisten Hochzeitstorten-Bauten unterstützen, zumal wenn die Lage so eindeutig überlegen ist wie die des „Sekong-Hotel“: an einer ruhigen, baumbestandenen Strasse, die direkt am Fluss entlang führt. Und zumal, wenn es über großzügige Freiflächen verfügt, lt. Guidebook ein "gemütlicher Hofbereich mit bunten Blumenbeeten “. In der Tat, es gibt auch einige Pflanzen und drei alte Hollywood-Schaukeln, sie fristen jedoch eine traurige Randexistenz, denn der Vorplatz des Hotels strahlt eher den Charme eines Exerzierplatzes aus.  Und die Trauer wird auch von den Zimmern geteilt, so sehr wünschen sie sich wieder mal eine Auffrischung, wenn’s auch nur ein neuer Wandanstrich wäre. Man wundert sich zunächst, warum der Schrank halb vor dem Fenster steht – er scheint jedoch der Vorhangleiste zu Hilfe gekommen zu sein, die beim Versuch, das Fenster zu öffnen, andernfalls den letzten Halt verlieren würde.

Solchermaßen melancholisch eingestimmt, möchte man beim Betreten des Zimmers des neuen „Sok Sambath Hotel“ fast in Hurra-Rufe ausbrechen – angesichts eines ganz normalen, geräumigen, sauberen und komfortabel ausgestatteten Hotelzimmers. Und Sitzmöglichkeiten im Freien gibt’s auch – eben in der säulenbewehrten Arkade hinter der speckig glänzenden Balustrade. Zwischen den  Häusern hindurch blickt man sogar auch auf den ca. 200 m entfernten Fluss.

 

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