Den Mekong hinunter
von Laos nach Kambodscha
2004

Tagebuch: Marlis Küpper
Textkästen: Christoph Rogger
Bilder: C.Rogger / M.Küpper



Im Speedboat...


... und oben drauf


Dachterrassen-Blick mittags..


...und abends


 04.12.: Stung Treng - Kratie

Das Boot geht um 8.30 Uhr. Alles wie gewohnt: der Fernseher flimmert und die Air-Condition rattert. Der Innenraum ist gut gekühlt und beschallt. Wer das nicht mag, kann aufs Dach steigen und sich den Wind um die Ohren blasen lassen. Tipp: unbedingt Ohrenstöpsel und eine warme Jacke bereit halten .

Die Fahrt auf dem Mekong bis nach Kratie dauert 3 1/2 Stunden. Dabei geht es kreuz und quer über den Fluss, streckenweise auch wieder rückwärts. Dies wohl alles, weil der Mekong schwierig beschiffbar ist mit seinen Stromschnellen, Untiefen und was weiß ich für Hindernissen! Die Fahrt ist landschaftlich zwar nicht sensationell, aber recht beschaulich.

Mit der Gemütlichkeit ist es aus, als das Boot in Kratie anlegt. Entsprechend der Anzahl der Hotels in diesem Ort, und das sind nicht wenige, stürmen junge Burschen auf die Touristen zu, und das sind nicht viele, um sie in „ihr“ Hotel abzuschleppen. Mit vielen Worten und Fotomaterial unterbreiten sie den Ankommenden, was das Beste für ihn ist. Einer von uns bleibt beim Gepäck, und einer geht zwecks Besichtigung mit dem Burschen mit, und nach der zweiten Besichtigung treffen wir die Entscheidung.

Unsere Wahl fällt auf ein ganz neues Hotel namens „Oudom Sambath“ - abermals schauerlich-schöner Asien-Barock, aber eben blitzblank geleckt. Wir wohnen im obersten Stockwerk und haben ein riesengroßes Zimmer mit direktem Zugang zu der noch riesengrößeren Dachterrasse mit fantastischem Blick über den Mekong. Geschmacksfragen hin oder her - besser kann man für 6 US-$ (i.W.: sechs! - wenn man die AC nicht benutzt) nicht unterkommen!

Kontakt: fon 012 965944, 011 703778, 072 971502
 

Mr. Thaung

Der junge, geschäftstüchtige Schüler, der uns am Anleger für „sein“ Hotel warb, hat mehrere ökonomische Existenzen. Er ist eben „Schlepper“ für das Hotel, Organisator von Ausflügen, Motorradfahrer und Guide mit Englischkenntnissen, ist „beteiligt“ an der „Soon Lee & Penh Cheth Speed Boot“ Company, verkauft Tickets für das Speedboot  und bekommt 1000 Riel (20 Cent) Kommission für jedes verkaufte Ticket (den Ticketblock hat er in der Hosentasche). Gegenüber dem Hotel steht eine kleine Telefonzelle für Inlandgespräche – die „gehört“ ihm auch, und wenn man ihm glaubt, läuft das Geschäft damit sehr gut. Und wenn er gerade in anderen Geschäften unterwegs ist, helfen die Freunde aus und übernehmen die Zelle. Und die Schule? Da ist seine Bank wohl immer leer, wenn es ein Geschäft zu erledigen gibt, und das ist wohl nicht gerade selten. Wünscht man ihm doch, oder? Selbstverständlich ist Mr. Thaung auch telefonisch erreichbar: 012 547859. Ist natürlich die Nummer seiner eigene Telefonzelle!

Was macht Mr. Thaung sonst noch? Er muss arbeiten, weil er seine Familie größtenteils ernähren und für das Schulgeld seiner drei Geschwister sorgen muß. Er lebt mit der Mutter, Oma, Opa und jüngeren Geschwister in Kratie. Sein Vater ist nicht mehr da, sondern weit weg in einer anderen Stadt – und die Familie hört und kriegt nichts von ihm. Und eine Freundin möchte er auch gerne, aber dafür braucht er ein Motorrad, weil die Mädels auf Jungs mit Motorrad stehen. (Für den Ausflug hatte er sich eines geliehen, womit natürlich wieder ein anderer ein Geschäft gemacht hat). Seine Ziel: in Phnom Penh studieren und Englischlehrer werden. Hoffentlich halten ihn die Geschäfte davon nicht ab!

M.K.



 

 
Straße nach Sambor


Wat Tasar Moi Roi



Landleben 


Nachbetrachtung auf der
Dachterrasse


05.12.: Kratie

Wir verschaffenen dem Burschen und seinem Freund eine zweite Einnahme: Motorrad-Ausflug ins 40 km nördlich von Kratie gelegene Städtchen Sambor und dort zur modernen Pagode „Wat Tasar Moi Roi“. Die Fahrt auf dem Moto ist anstrengend aber lohnt sich. Der Ort zieht sich entlang einer relativen guten Strasse hin. Gesäumt ist sie von wunderschönen Holzhäusern und Gärten. In den Häusern wohnen überwiegend Bauern, Fischer und Kleinhändler, die dort ihre kleinen Läden betreiben. Im Hinterland wird Reis, Obst und Gemüse angebaut, tummeln sich viele, viele Büffel und Kühe. Auf der Strasse den Schweinen ausweichen zu müssen, ist auch keine Seltenheit.

Der Tempel "Tasar Moi Roi", beansprucht vor allem durch seine 100 Säulen (so auch der Name) Berühmtheit. Die sei ihm, obwohl wir nicht nachgezählt haben, gegönnt. Ansonsten zeigt sich auch hier: "größer" und "besser" sind verschiedene Dinge, und "schöner" erst recht. Und es zeigt sich: Den - in Mietshaus-Manier meist zweistöckigen - buddhistischen Tempeln dieses Landes scheint in besonderem Maße abhanden gekommen zu sein, was ihre kleinen, feinen historischen Vorgänger so besonders auszeichnete: das Gefühl für Linie und Proportion. Allerdings muß man auch einräumen: Im Gegensatz zu den benachbarten Ländern gibt es hier gar keine historischen Vorbilder mehr, an denen sie dies studieren könnten.

Oder doch? Es soll auch einen alten Wat in der Nähe geben, aus Holz. Der wird jedoch gerade "restauriert" - zu sehen ist anstelle eines alten Wat eine neue Baustelle. Und ein dicker jahrhundertealter Baum, der dort angeblich stehen soll, ist wohl inzwischen gefällt worden. Nach einem Blick über den Mekong und einer Suppe in Sambor geht es zurück.

Die Burschen lassen es sich nicht nehmen, bei den „Irrawady Delphinen“ zu halten. Eigentlich sind die die Attraktion der Gegend. Aber wir wollten keinen Boots-Trip zu ihnen machen. Vielleicht  sollte man doch: Vom Ufer aus sahen wir jede Menge dieser Tiere, was bestimmt auf dem Wasser und aus der Nähe doch ein schönes Erlebnis ist. Nun ja, das nächste Mal.

Die dritte Sehenswürdigkeit bei diesem Ausflug  ist der Berg „Phnom Sambok“ mit seinem alten Kloster. Eine sportliche Einlage, denn es geht viele Stufen hinauf, aber es lohnt sich. Das Kloster ist hübsch gelegen, bietet einige marzialische Wandmalereien und schöne Ausblicke über die Umgebung.

Die Hauptsehenswürdigkeit, die diesen Ausflug auf jeden Fall lohnt, bleibt für uns jedoch die beschauliche ländliche Szene, durch die er führt - Kambodscha von seiner reizvollsten Seite. Nach 6 Stunden sind wir wieder im Hotel. Jeder Bursche bekommt 13 US$ für den Trip.
 

Wir hatten vor, über Kompong Cham zu den Khmer-Stätten in der Umgebung von Kompong Tom weiterzureisen und anschließend noch einige Tage in Phnom Penh und Sihanoukville zu verbringen.

Aus unvorhergesehenem familiären Anlaß brachen wir jedoch am 6.12. die Reise ab und fuhren direkt nach Phnom Penh. Am nächsten Morgen flogen wir nach Bangkok zurück, von wo wir am Abend des folgenden Tages den Heimflug nach München antraten.

 

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