Den Mekong hinunter
von Laos nach Kambodscha
2004

Tagebuch: Marlis Küpper
Textkästen: Christoph Rogger
Bilder: C.Rogger / M.Küpper


 
Markt in Ban Lung


Chunchiet-Dorf


Yeak Laom: Badefreuden


...und Abendstimmung


02.12.: Ban Lung

In der Früh auf den Markt. Besonderheit hier sind die Chunchiet Frauen, die ihre Produkte in „Kaphas“, das sind Rücksäcke aus Bambus geflochten, zum Markt bringen. Die „Kaphas“ sind wirklich sehr schön und mit alten Mustern verziert. Wir kaufen uns eine Papaya (Preis: 500 Riel = 10 Cent).

Die Chunchiet sind wohl die ärmsten Anbieter auf dem Markt. Sie haben keinen Stand, sondern hocken mit ihren Waren auf der Erde. Auch ein schattiges Plätzchen ist ihnen auf dem Marktplatz nicht vergönnt. Und wenn ihnen niemand ihr Gemüse abkauft, tragen sie es in ihrer „Kapha“ wieder zurück in ihr Dorf. Und dieser Weg dauert über 2 Stunden.

Sonst gibt es auf dem Markt all das, was es inzwischen auf jedem asiatischen Markt gibt: große Mengen von Drogerie-Artikeln, Klamotten, Schreibwaren, Plüschdecken, Geschirr  und Schmuck. Die Schmuckläden sind auch die Geldumtauscher, und vor dem Markt gibt es Stände mit einem riesigen Obst- und Lebensmittelangebot. Wir kaufen uns noch ein Baguette und den guten „La vache qui rit“ Käse und frühstücken auf dem Balkon unseres Hotelzimmers.

Ausflug mit dem Motorrad zu einem uralten Lavafeld namens „Veal Rum Plan“, etwa 4 km nach der Kreuzung in O Chum. Weiter geht es  durch schöne Landschaft, alten Wald zu zwei Chunchiet-Dörfern. Zurück in der Stadt probieren wir das „American“ zum Mittagessen aus. Keine Empfehlung!

Zum Duschen geht es ins Hotel zurück, und sauber gewaschen, aber mit verstaubten Klamotten geht es zum verheißungsvoll geschilderten See "Yeak Laom“  (s. Kasten unten).
 

Rattanakiri

wird weithin als das aufkommende Natur-Reiseziel Kambodschas bezeichnet und mit dementsprechenden Vorschuss-Lorbeeren für die Zukunft bedacht.

Schon bei der Anreise beginnt sich jedoch ein großes Fragezeichen aufzurichten. Der 150 km lange Weg von Stung Treng verläuft durchweg topfeben und schnurgerade durch Sekundärwald, mal dicht, mal mickrig und versteppt, mal unterbrochen durch Plantagen. Da sich daran bis zur Ankunft in Ban Lung nichts Erhebliches ändert, kommt diese, wenn auch heiß herbei gesehnt, schließlich doch etwas unerwartet.

Ban Lung liegt zwar an einem hübschen See, dieser ist jedoch mehrere 100 m vom urbanen Zentrum abgesetzt und trägt somit nichts zum Ortbild bei. Dieses zeigt vielmehr ein äußerst schlichtes Straßen-Kaff, im Wesentlichen bestehend aus einer Kreuzung, einem Aggregat von Geschäften und einem Markt. Da Ban Lung erst in den 70ern entstanden ist, entbehrt es jener kolonialen Spuren, die dem Stadtbild der meisten anderen Provinzstädte zwischen allem Müll doch einen gewissen Hauch morbiden Stils verleihen. Was die Präsenz von „Natur“ anbelangt, so ist deren dominanteste  Erscheinung der Tatsache geschuldet, dass nur ein kleiner Flecken rings um die zentrale Kreuzung asphaltiert ist: Jedes durchfahrende Fahrzeug schüttet dichte Schwaden von Staub über die Szene aus, der sich wie ein feiner rötlicher Farbstoff in alle Ritzen des Orts und seiner Bewohner festsetzt.

Die Natur-Attraktionen der Umgebung sind hauptsächlich: Erstens der kreisrunde, ringsum von dichtem Dschungel gesäumte See "Yeak Laom" von einigen 100 m Durchmesser. Zwei große Stege bieten die Möglichkeit, sich von der erstklassigen Bade-Qualität des Wassers zu überzeugen – für die Gegend zweifelsohne ein großer Gewinn.

Zweites einige Wasserfälle mittlerer Kategorie. Drittens kommt man über die Nebenstrassen der Umgebung auch in kleinere Stücke von Dschungel sowie auf leichte Anhöhen, von denen sich mitunter ein Blick übers weite Land auftut – verbunden mit dem beruhigenden Gefühl, auch in der weiteren Umgebung nicht allzu viel Aufregendes zu versäumen. Schließlich kann man auch in die Dörfer der Chunchiet-Minorität besuchen. Das Erlebnis ähnelt dem Besuch all der vielen Minderheitendörfer in all den Ländern ringsum – jedenfalls solange man keine weitergehenden ethnologischen Kenntnisse und Interessen mitbringt: Man sieht deren ärmlichen Behausungen - wenn auch nicht so schön gelegen wie die der „Bergstämme“ -, und verspürt eine dröge, eher abweisende Atmosphäre. Das spricht keineswegs gegen die Chunchiets, eher schon gegen diese Form des „Ethno-Tourismus“.

Um Aufwand und Ertrag einer Reise nach Rattanakiri angemessen ins Verhältnis zu setzen, müssen auch die Umstände  der An- und Abreise bedacht werden. Die Fahrt ab und nach Stung Treng erfolgt in Pkws der unteren Mittelklasse (Toyota Camry o.ä.) mit einer Mindestbeladung von mindestens 8 (acht) Erwachsenen zusätzlich allfälliger Kinder – jeweils vier vorne und hinten, wobei vor allem vorne ganz neue Sitzmöglichkeiten erschlossen werden. Ein Mitreisender legt sich unter den Fahrer, und auch der Handbrems-Knüppel wird zum Sitzplatz umgewidmet. (Letzterer wird, aus hier nicht näher zu untersuchenden Gründen, zumeist von weiblichen Fahrgästen besetzt.) Dass sich die Fenster der betagten, arg gebeutelten Vehikel oft nicht mehr öffnen lassen, trägt zusätzlich zur dichten Atmosphäre im Fahrzeuginneren bei. Von außen her ist die eingepferchte Fahrgemeinschaft ständigen wuchtigen Schlägen und Bocksprüngen ausgesetzt, denn die dem Vernehmen nach erheblich verbesserte Strecke erweist sich größtenteils als stark zerfurchte Buckelpiste – nicht auszudenken, in welchem Zustand sie vorher war.

Man kann die Strapaze der jeweils vierstündigen Fahrzeit – Pausen und Pannen nicht eingerechnet - dadurch etwas abmindern, dass man mehr Sitzplätze bezahlt als man selber besetzt. Man kann aber auch den Luftweg wählen und sein Schicksal einem unbekannten Flugobjekt nicht mehr abschätzbaren Alters anvertrauen.

Fazit: Landschaftliche Reize dieses Kalibers sind in den angrenzenden Ländern schon fast "an der Strecke" zu haben, ohne eine quälende, vielstündige An- und Abreise zu erfordern. Dass Rattanakiri als das Natur-Ziel Kambodschas gilt, spricht daher eher gegen das Natur-Potenzial des Landes. Einen Vorteil haben die touristischen Erwartungen, die sich an diese Provinz knüpfen, aber auf jeden Fall: Sie haben dazu geführt, dass Ban Lung inzwischen ein beachtliches Übernachtungs- und Restaurantangebot aufweist. Ohne dieses wäre der Ort gewiss noch trostloser.

 

Deckel öffne dich!



 


Stung Treng, Flußpromenade


03.12.: Ban Lung - Stung Treng

Unerfreuliches Frühstück im „Tribal Restaurant“. Auch die Abfahrt bereitet Probleme: das Taxi soll wieder mal früher als verabredet losfahren. Wollen wir aber nicht! Hartnäckige Debatten mit dem Personal des Hotels. Schließlich geht es so wie verabredet. Wir haben zu zweit unsere drei Plätze und zusätzliches Glück. Unser „dritter Mann“ auf der Rückbank ist ein „schmales Hemd“ und so der Platz für alle ausreichend.

Nach ca. zwei Dritteln des Wegs, an der Schwelle einer Holzbrücke, verschafft das Auto sich und seinen Insassen eine unverhoffte Ruhepause: Nichts geht mehr! Offenbar ist die Elektrik ausgefallen - an sich kein Drama, wenn nur die Motorhaube aufginge! Während die Damen und Kinder sich gemütlich in der Hocke am Wegrand niederlassen, machen sich der Fahrer sowie die beherzt eingreifenden zwei einheimischen männlichen Passagiere daran, die Hebelwirkung aller möglicher Utensilien an dem Motorraumdeckel auszuprobieren. Traktiert mit Schlüsseln, Draht, Schraubenzieher und Ästen und nach dem Aufbiegen des Kühlergrills gibt das Blech nach ca. 30 Minuten ächzend nach. Nur ein Griff in die freigelegten morschen Eingeweide, und schon ist läuft die Kiste wieder - haha!

So fühlt man sich sogar in in einem Kaff wie Stung Treng schließlich wie in Abrahams Schoß zurückgekehrt. Und der Sonnenuntergang  in einer kleinen Kneipe an der Mekong-Promenade ist Balsam für die Seele. Es gibt auch ein Internetbüro in Stung Treng, aber kaum ist der Rechner hochgefahren, fällt auch schon wieder der Strom aus. In den Restaurants werden, wie jeden Abend, die Agregatoren angeschmissen, und wer keinen hat, stellt sich eine Kerze auf. Wir wohnen im „Sok Sambat Hotel“, und das ist in Ordnung (siehe Kasten „Wohnen in Stung Treng“). Wir kaufen uns Tickets für das Speedboot und planen die Abfahrt für den nächsten Tag nach Kratie.

 

nach oben