Den Mekong hinunter
von Laos nach Kambodscha
2004

Tagebuch: Marlis Küpper
Textkästen: Christoph Rogger
Bilder: C.Rogger / M.Küpper

 

 
 
Huch, das Auto ist schon da!


Mit voller Ladung...


...Richtung Rattanakiri


Wir sind am Ziel -
man sieht's nur nicht


30.11.: Stung Treng - Ban Lung

Selfmade Frühstück auf dem Balkon vor Zimmer A4 um 6.40 Uhr. Abfahrt in die Provinz Rattanakiri soll um 7.30 Uhr sein. Um 7 Uhr steht der Fahrer mit Auto vor dem Balkon. Der Kofferraum ist schon voll, und unser Gepäck wird noch irgendwie hinein gestaucht. (Später kann ich feststellen, dass in den Säcken auch Eisgekühltes war, das während der Fahrt aufgetaut ist und meinem Rucksack den unvergleichlichen Gestank von Fischsoße beigemischt hat.)

Wir holen noch die restlichen Mitreisenden ab und sind schließlich 10 Personen in dem Auto der unteren Mittelklasse. Eine vierköpfige Familie hat auf dem Vordersitz Platz genommen, unter dem Fahrer liegt, an die Autotür gepresst, ein weiterer junger Mitfahrer, und wir teilen uns die Rückbank zu viert.

Leider ist die Strasse nicht so, wie im Reiseführer beschrieben. Von wegen neue Strasse! Das Auto schaukelt und rumst von einem Schlagloch ins andere. Um wenn der Fahrer mal Gas gibt, staubt es gewaltig. Nach 4 Stunden sind wir in Ban Lung und lassen uns vor dem „Hotel Ratanak“ absetzen. Das Hotel hat chinesisches Flair und liegt in zentraler, staubiger Lage. Der Besitzer, Mr. Leng, repariert auch gleich defekte Dinge im Bad, und es lässt sich ganz gut an.

Erster Stadtspaziergang: eine unglaublich staubige Angelegenheit. Wie die Menschen das hier aushalten, fragen wir uns? Wir hatten uns Rattanakiri etwas anders vorgestellt, Sommerfrische oder zumindest ähnliches!

Wir machen uns auf die Suche nach einem neuen Hotel, das im Reiseführer prognostiziert ist. Es soll „Forest“ heißen, und wir finden es unter dem Namen “Tribal Hotel und Guesthouse“. Wir sehen uns die Zimmer an, suchen uns ein schönes mit Balkon aus. Die Bestuhlung wird auch gleich herübergeschleppt. Wir beschließen: morgen verlassen wir das Hotel Rattanak und Mr. Leng. Am Abend essen wir im Restaurant des Hauses –vorzügliche Küche! Wir sind die einzigen Gäste.
 

Wohnen in Ban Lung

Trotz der hier vorherrschenden „eingeschränkten Sichtverhältnisse“ –das „Ratanak Hotel“ ist immer zu sehen, denn der bizarre Bau ragt über die Staubwolken der Hauptstrasse hinaus: Man scheint schon in den Gründerjahren, mittlerweile wohl einige Jahrzehnte her, die Absicht verfolgt zu haben, ein Monstrum zu erschaffen. Sowohl außen als auch in den Zimmern dominiert anthrazit-grauer Marmor, der etwas an ein sowjetisches Heldengrabmal gemahnt. Über der schulterhohen Täfelung leuchtet frisches, kräftiges Pink –sicher ein Werk des rührigen „Mr. Leng“, der bereits „unermesslich viel“ (Lonely Planet) zur Verbesserung des Hotels getan haben soll. Das ist sicher glaubwürdig, denn wenn Mr. Leng nicht Chinese wäre, müsste er es sein, denn es bedarf bestimmt einer gewaltigen Energie, diese Burg einigermaßen in Schuss zu halten.

Das „Tribal Hotel“ hat hingegen offenbar keinen Chinesen, und es braucht ihn auch nicht –noch nicht. Den das Haus ist noch neu, und alles, was dran ist, funktioniert noch. Es liegt etwas zurückgesetzt inmitten eines Garten-Wohnquartiers –ruhig genug, dass nachts Hunde-Gekläff die Geräuschkulisse dominieren kann. Die Zimmer sind – unter Verwendung von viel Holz - sehr wohnlich gestaltet und verfügen auf der Vorderseite über private Balkone. Ein angenehmer Aufenthaltsort – wenn man sich damit abfindet, dass nichts von dem, was Dienstleistungen erfordert, von selbst funktioniert: weder der Zimmerservice, noch das Mietmotorrad, der annoncierte Internet- und Telefondienst, der Wäsche-Service und die Buchung der Rückfahrt. Alles daneben – aber es sind eben auch keine Chinesen.

Auf dem Gelände befinden sich einige schmucke Holzpavillons und ein Terrassen-Restaurant mit gepflegter Küche. Von dem maßlos überteuerten Frühstücks-Angebot sollte man jedoch Abstand nehmen (z.B. 1 Brötchen und ein Klecks Honig = 1,50 $).

Kontakt: tribal_hotel@yahoo.com , tribalhotel@camintel.com, fon 075 974074, 011 912322

 

Independence Memorial


Tankstelle


Kautschuk-Plantage


Chha Ong Wasserfall


01.12.: Ban Lung

Früh wird man geweckt durch Motorradsound der abreisenden deutschen Offroader-Gruppe und durch schräge Töne aus Lautsprechern, die drei Tage lang eine Bestattungsszeremonie begleiten. Die Emission kommt aus unmittelbarer Nähe unserer neuen Unterkunft, in die wir umziehen – noch einen Tag werden die Geister gnädig gestimmt! Nicht so schlimm, da wir ja ein Motorrad gemietet haben, mit dem wir außer Hörweite fliehen können. Leider hat selbiges erst einmal Startschwierigkeiten, und wir versuchen der Musik ein kulturelles Ereignis abzugewinnen und wünschen uns, dass der Spuk am Abend ein Ende hat.

Endlich ist das Motorrad wieder von der "Reparatur" zurück, und wir starten unseren Ausflug zum Wasserfall „Chha Ong“. Man fährt Richtung Stung Treng, an der Kreuzung nach dem Ort (2 km) steht ein großer Wegweiser. Vor diesem geht rechts der Weg zum Wasserfall weg.

Die Straße ist unbefestigt und staubig. Die Landschaft ist schön und man fährt durch einen großen, alten Kautschuk Wald. Immer geradeaus und man landet am Wasserfall. Dort zahlt man Eintritt und spaziert dann an seine obere Kante. 30 m geht es dann auf einem Weg zu den unteren Bassins. Baden ist nicht so ohne weiteres möglich!

Zurück geht es zur Kreuzung und zum nächsten Wasserfall „Ka Chhang“, 4 km von der Kreuzung entfernt. Auch wieder durch eine Kautschuk-Plantage . Zum Wasserfall steigt man 10 m hinab und die Gelegenheit zum Baden ist ideal.

Abendessen im Hotel von Mr. Leng: wir aßen das beste Beefsteak, was wir je gegessen haben!

 

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