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Die ersten praktischen Übungen scheinen - jenseits aller Exotik - ein Muster zu bestätigen, das auch und gerade im modernen Leben als Lebensregel gilt: Das Schwierigste ist, erst mal hochzukommen; sich oben zu halten sollte hingegen selbst dem nicht übermäßig Talentierten gelingen. Es gibt verschiedene Wege auf den Rücken eines Elefanten. Deren gebräuchlichster führt seitlich über dessen abgewinkeltes Vorderbein, das quasi als Steigbügel dient - der gebräuchlichste jedenfalls für die gelenkig-federnden Mahouts. Für den Neuling jedoch, der nicht täglich den Luft-Spagat gegen die Sprungrichtung übt, kommt das dicke Ende in Form der bauchig ausladenden Oberweite der wandelnden Dschungel-Tonne. Und wo sich festhalten an dieser riesigen Fläche von Dickhaut? Darf ich mich wirklich trauen, wie der Mahout mir empfiehlt, mich mit meinem ganzen Körpergewicht an Sidaw Yais Ohr zu hängen und mich daran hochzuziehen?... Aber es gibt noch eine Alternativroute. Die führt frontal über den Kopf des geduldig in die Knie gegangenen Tiers in dessen Nacken - wo man sich dann nur noch möglichst schnell umdrehen muss, um den folgenden Ritt nicht rückwärtig anzutreten. Wohl dem, der im Turnunterricht beim Bocksprung aufgepasst - und sich dieser Disziplin im täglichen Leben bei Gelegenheit hin und wieder mal ertüchtigt hat!
Erst einmal oben, erfordern die weiteren Übungen weniger Kraftakte. Gut so, denn das gibt Gelegenheit, sich erst mal an die Höhenluft zu gewöhnen und die eigene Körperbalance auf die schwankende Sitzposition abzustimmen, die man auf den Schultergelenken des Tiers gefunden hat - ein Haltegriff ist nämlich auch hier oben nicht zu finden. Gut auch, dass Elefanten im allgemeinen nicht zu hektischen Bewegungen neigen, solange sie sich nicht durch eine Widrigkeit dazu herausgefordert fühlen. Und als solche scheint mich Sidaw Yai glücklicherweise nicht zu betrachten: Er nimmt mich, wie schon so vieles vorher in seinem langen Leben, gelassen. Soweit man Sicherheit in der ungewohnten Höhenlage gefunden hat, steht das eigentliche Lernziel eines Reitunterrichts erst noch bevor: das Reittier zu dirigieren. Eigentlich nicht allzu kompliziert, denn das Repertoire dazu besteht aus einigen wenigen Kommandos für "Gehen", "Wenden" und "Rückwärts", unterstützt von Körpersignalen mit den Füßen und dem Gesäß. Nur: Thailändische Elefanten verstehen nur Thai, und zwar klar und selbstbewusst im Kommando-Ton ausgerufen. Wer da falsch intoniert oder, schüchtern nuschelnd, zeigt, dass er noch mit den eigenen Sprachschwierigkeiten kämpft, macht sich da bei ihnen mit Recht unglaubwürdig. Sollte es also an Verständigungsproblemen liegen, dass Sidaw Yai und seine Artgenossen, gelinde gesagt, nur sehr verhalten auf die Führungsansprüche der dahergelaufenen Fremdlinge reagieren?... Aber dann doch: Endlich hat er gemacht, was ich ihm gesagt habe! Oder habe ich nur im richtigen Augenblick das gesagt, was er ohnehin machen wollte? Nur Sidaw Yai weiß es, aber schweigt. Und der stets anwesende Mahout lächelt. In der späten Nachmittagssonne bricht die Gruppe auf, die Elefanten zu ihrem Nachtquartier im Dschungel zu bringen. Für die meisten der Höhepunkt des Tages, denn endlich geht's raus vom Exerzierplatz in die üppig grüne Umgebung, und ein leichtes "Born to be wild"-Gefühl stellt sich ein. Sehr gemach allerdings, denn die Dickhäuter lassen sich viel Zeit, das Buschwerk am Wegesrand mit ihrem Rüssel zu inspizieren und bei Gefallen den einen oder anderen Büschel als Wegzehrung mitzunehmen.
Nach ca. einer dreiviertel Stunde löst sich die Karawane auf, und für jeden Elefanten wird ein geeigneter Übernachtungsplatz ausgemacht. Der muss vor allem geeignet sein, dem unstillbaren Appetit der Tiere ein ausreichendes Angebot zu bieten: Elefanten gönnen sich nur drei Stunden Schlaf, da sie so viel fressen müssen! Sidaw Yai bekommt ein 50 m lange Kette ans Fußgelenk gelegt - der nötige Radius für einen Vielfrass wie ihn - und macht sich gleich ans Werk, den Wald auszulichten. |
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